IDEE
"Zwei Jahre lang habe ich im Kreuzberger Wrangelkiez gelebt. Jeden Tag bin ich mehrmals am Schlesischen Tor unterwegs gewesen. Hier bin ich zur U-Bahn gehetzt, habe im türkischen Gemüseladen Oliven gekauft und in einem der Cafés einen Kaffee getrunken. Ich mag das Schlesische Tor, wie man jemanden mag, der einem mit seiner Lebendigkeit auch auf die Nerven geht. Kein schóner, ein schwieriger, lauter, wegen seiner Vielfalt intensiver Ort. Oft habe ich gedacht, über diesen Platz müsste man mal was machen.
Dann habe ich auf der Berlinale einen Film gesehen:
Ein Mann steht im Jahr 1972 auf dem Place de la République in Paris. Mit einem kleinen Team aus Kamera- und Tonleuten bewegt er sich zehn Tage lang auf dem Platz und spricht Passanten an. Er geht ihnen hinterher, konfrontiert sie mit der Kamera, stellt ihnen Fragen nach ihrer Befindlichkeit. Es ergeben sich einfache Unterhaltungen und kurze Bekanntschaften.
Louis Malles Film Place de la République (1974) ist der Ausgangspunkt für die Idee zu 24 Stunden Schlesisches Tor geworden."
Eva Lia Reinegger (Buch und Regie)



Szenenfotos "Place de la République"
"Evas Idee war von Anfang an so klar und vielversprechend, dass sie einfach umgesetzt werden musste. Einmal entflammt ließ ich mich gern immer tiefer in das Projekt hineinziehen, verbrachte mit Eva Stunde um Stunde am Schlesischen Tor, beobachtete und freute mich über die gute Ausrede, Leute ansprechen und befragen zu dürfen. Trotz aller Vorbereitung steckte der "Tag X" voller Überraschungen, die wir hoffentlich so eingefangen haben, dass das Zuschauen und Zuhören euch so viel Spaß macht wie uns."
Anna de Paoli (Produktion und Regie)

Foto: Jutta Wissmann